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Ein Hexer in Leuzigen?

Schnitzeljagd durch die Geschichte Leuzigens

Alfred M. Hirt

Im Jahre 1610 wurde in Büren an der Aare vom bernischen Landvogt ein 18-jähriger Junge «verhört». Der Junge hiess Stefan Oehler und stammte aus Leuzigen. Der gestrenge Dorfpfarrer warf Stefan vor, er habe die beim Abendmahl ausgeteilte Hostie nicht verzehrt, sondern in die Tasche gesteckt - in jener Zeit ein Verbrechen. Stefan sagte unter Folter aus, seine Mutter habe es ihm befohlen. Seine alleinerziehende Mutter stand im Verdacht der Hexerei; ihr Sohn wurde deshalb weiter gefoltert.

Wohl auf Eingabe der Befrager gab Stefan zu Protokoll, dass er einem «edlen Herren in grünem Gewand» mehrmals in der Umgebung von Leuzigen begegnet sei, so etwa in der «Hohlen Gasse», an einem Weiher bei Nennigkofen oder beim Galgen. Die Gestalt befahl Stefan, Körner auf Feldern zu verstreuen oder einer Kuh «im Stall des Jäggi» eine Salbe einzureiben. Bei der Gestalt handelte es sich um den Teufel, der den Jungen zu Schadenzaubern an Vieh und Feldfrüchten verleitete. Als der Teufel aber verlangt habe, dass Stefan sich von Gott abkehre, habe sich dieser gewehrt. Daraufhin habe ihn der Teufel geschlagen und sei verschwunden.

Trotz des erpressten Geständnisses waren sich die Bürener Behörden wohl uneins, wie nun mit Stefan weiter zu verfahren sei. Der Fall wurde an die Hohen Herren zu Bern abgegeben. Stefan wurde im Marzili nochmals unter Folter verhört; er aber widerrief sein Geständnis. Die Verhöre in Büren und im Marzili wurden im Berner Turmbuch protokolliert.

Dieses Protokoll wirft nicht nur ein Licht auf die Hexenprozesse, sondern auch auf das damalige Leben in Leuzigen und Umgebung. Mithilfe eines Actionbounds (eines Onlinetools für Schnitzeljagden) konnten Schülerinnen und Schüler die Schauplätze besuchen und so in der Spezialwoche (10. bis 14. August 2026) mehr über die Geschichte ihres Dorfes und der Hexenprozesse erfahren.

Berner Herren sitzen zu Gericht. Ausschnitt aus einer Illustration aus der Chronik des Chorherrn Johann Jakob Wick (Zentralbibliothek Zürich, Handschriftenabteilung, Wickiana, Ms. F 18, Fol. 146v).